Studien


Selbstinitiierte Studien (Investigator Initiiated Trials):

Transkranielle Gleichstromstimulation zur Verbesserung der neuropsychologischen Therapie visuellräumlicher Aufmerksamkeitsdefizite (Neglekt) nach Schlaganfall

Ungefähr 13 – 82 % der 270 000 Patienten, die in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall erleiden, weisen in der Folge eine Beeinträchtigung visuell-räumlicher Funktionen (Neglekt) auf. Bei 30 - 40 % der Patienten persistiert die Symptomatik ca. 52 Wochen nach dem Ereignis. Zeitgleich beeinflusst die Neglektsymptomatik den Erholungsverlauf der Schlaganfallrehabilitation und gilt als prognostischer Faktor für eine schlechtere Erholung nach einem Schlaganfall.

Insbesondere in der subakuten Phase kommt es bei einigen Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der räumlichen Wahrnehmung durch den die natürliche Spontanheilung. Frühe Untersuchungen haben gezeigt, dass durch zusätzliche Therapie die Erholung während dieser Phase weiter intensiviert werden kann. Eine vielversprechende Methode stellt dabei die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) dar. Bisherige Studien weisen auf einen positiven Effekt auf einfache neuropsychologische Tests hin. Einen positiven Effekt auf die Alltagstauglichkeit und somit den generellen Rehabilitationserfolg wurde bisher nicht untersucht. Dies soll nun umfangreich für die Neglekttherapie untersucht werden, um im besten Fall eine Aufnahme dieser Methode in die Leitlinien zu bewirken.

Die Studienleitung: Frau Dr. Anna Gorsler
Kooperation: Dr. Roza Umarova, Bern

 

Kooperationsprojekte:

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) zur sprachlichen Rehabilitation nach Schädelhirntraumata (SHT tDCS):

Dieses Projekt zielt auf eine Verbesserung der Effizienz sprachtherapeutischer Interventionen bei funktionellen Beeinträchtigungen nach Schädelhirntraumata (SHT) ab: Schädelhirntraumta und ihre Folgen sind in ihrer Häufigkeit stark unterdiagnostiziert. Bei denjenigen Patienten, die das schwere SHT überleben und nicht im posttraumatischen vegetativen Zustand verbleiben, leidet etwa die Hälfte an lebenslangen Behinderungen wie zBsp. Wortfindungsstörungen. Für eine effektive Therapie sprachlicher Fähigkeiten ist hochfrequente Therapie unabdingbar. Bei insgesamt begrenzten Ressourcen ist eine flächendeckende hochfrequente Versorgung nicht durchführbar. Daher werden Maßnahmen untersucht die Effektivität von Therapien in der Wirksamkeit zu verstärken. Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) hat in ersten Studien bei Schlaganfallpatienten das Potential gezeigt, motorische, sprachliche und kognitive Beeinträchtigungen signifikant zu erhöhen, aber hochwertige Studien zu dieser sicheren und gut tolerierten Technik zum Einsatz bei SHT liegen bisher nicht vor. Im Rahmen dieses Projekts soll eine tDCS-induzierte Wirksamkeitssteigerung etablierter Therapieverfahren von sprachlichen Beeinträchtigungen evaluiert werden. Dazu werden Patienten, die vor > 6 Monaten ein SHT Grad II erlitten haben, in einer zweiarmigen Studie zusätzlich zu einem intensiven Sprachtraining mit tDCS oder Schein-tDCS behandelt, um die Wirkung auf sprachliche Funktionen sowie alltagsrelevante Kommunikationsparameter zu erheben.

Studienleitung: Prof. Dr. med. Agnes Flöel (AG Kognitive Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald)

Diese Studie wird in Kooperation mit der Universitätsmedizin Greifswald, dem FH Joanneum Graz sowie dem Jugendwerk Hegau durchgeführt.
Weitere Informationen finden Sie unter www.gleichstromstimulation.com sowie unter https://osf.io/9gsn4/

Direkte Anfragen richten Sie bitte an Frau Katrin Wrede (), oder unter 033204 - 22306

 

Soziale Interaktion durch Klang-Feedback (Sentire):

Zu den Effekten einer zunehmenden Technisierung zählen unter anderem das vermehrte Auftreten von Symptomen sozialer Isolation, chronischen Stresses und verminderter Körperwahrnehmung bis hin zu psychischen Erkrankungen. Im Vorhaben soll ein Interaktionskonzept erforscht werden, das die Bewegungen und Interaktionen von Personen im Raum erfassen und als Klang interpretieren kann. Die Selbstwahrnehmung von Nutzern soll somit gesteigert und therapeutisch verwertbar gemacht werden.

Innerhalb des Projekts soll ein klangbasiertes Body-Machine-Interface entwickelt werden, das von zwei Personen verwendet werden kann. Es soll durch softwaregestützte Mapping Strategien in der Lage sein, die Entfernung zwischen Personen sowie deren Berührungsinteraktionen zu erfassen und in darauf präzise abgestimmten Klang umzuwandeln. In Verbindung mit klinischen sowie nicht-klinischen Studien und Ansätzen der Mensch-Technik-Interaktions-forschung sollen im Vorhaben bedarfsgerechte Therapiekonzepte (u. a. bei Parkinson) entstehen.

Durch multimodale sensorische Erfahrungen sollen Hören und kinästhetische Wahrnehmung mit motorischer Handlung gekoppelt werden. Die Verwendung des kompletten menschlichen Körpers als Interface kann eine ganzheitliche Immersion in die Mensch-Technik-Interaktion und eine erhöhte Aufmerksamkeit auf eigene Körper- und Bewusstseinszustände im Kontext sozialer Interaktion ermöglichen, die in vielfältigen therapeutischen Anwendungen genutzt werden können.

BMBF-gefördertes Kooperationsprojekt mit dem Institut für systemische Musikwissenschaften der Humbuldt Universität zu Berlin

Projektkoordinator: Marcello Lussana ()

 

Körperliche Fitness bei subakuten Schlaganfällen (PHYS-Stroke):

Die Zahl der Patienten nach Schlaganfall, die dauerhaft an Defiziten leiden (auf der Funktions-, Aktivitäts- und Partizipationsebene), steigt in Deutschland ebenso wie weltweit an. Daher sind neue Strategien, die diese Defizite im Rahmen der Rehabilitation verbessern, von größtem Interesse. Körperliche Aktivität, die ein kardiovaskulär wirksames Training vermittelt (aerobes Fitnesstraining), könnte hier eine viel versprechende adjuvante Therapie darstellen. Durch ein solches Training, z. B. mittels einer Laufbandtherapie appliziert, ließe sich neben einer Verbesserung der körperlichen Fitness und der Gehfähigkeit auch die Lernfähigkeit des Gehirns an sich steigern, beispielsweise durch eine aktivitätsinduzierte Freisetzung von Nervenwachstumsfaktoren, mit positiven Auswirkungen auf Sprache u. Kognition, Aktivitäten des täglichen Lebens sowie Lebensqualität. Da es aber bisher noch kein allgemein akzeptiertes Vorgehen zu aeroben Fitnesstraining in der subakuten Phase nach Schlaganfall gibt, sind kontrollierte randomisierte Studien dringend erforderlich. Diese Lücke versucht die Phys-Stroke Studie in Verbindung mit, kooperierenden Rehabilitationszentren der Berliner Schlaganfallallianz zu schließen.

Diese Studie ist beendet. Die Ergebnisse sind im British Medical Journal veröffentlicht worden. Die Forschungsgruppe der Kliniken Beelitz beteiligt sich an den weiteren Auswertungen der Studie.

Studienleitung: Prof. Dr. med. Agnes Flöel (AG Kognitive Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald)

(Interview beim rbb (https://www.rbb-online.de/rbbpraxis/rbb_praxis_service/neurologie/sport-schlaganfall-reha.html))