Beelitz-Heilstätten, Potsdam, 04.12.2025: Leider ist Gewalt in unterschiedlichen Ausprägungen ein Thema im Gesundheitswesen, auch an den Kliniken Beelitz. Um Mitarbeitende in die Lage zu versetzen, angemessen reagieren zu können, haben die Kliniken Beelitz ein Gewaltschutzkonzept etabliert sowie Deeskalationstrainings ins Leben gerufen.

Um Beschäftigte bei Übergriffen in die Lage zu versetzen, angemessen reagieren und handeln zu können, haben die Kliniken Beelitz bereits Mitte 2024 angefangen, die unterschiedlichen Arten von Übergriffen auf ihr Personal zu sichten und zu strukturieren, um basierend darauf ein umfassendes Schutzkonzept zu erarbeiten, welches seit Mitte 2025 umgesetzt wird.

„Die Übergriffe auf das Pflegepersonal in einem Berliner Krankenhaus in der Silvesternacht 2023/2024 waren für mich persönlich ein initialer Moment, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen müssen. Berlin ist für uns in Beelitz ja quasi vor der Haustür“, schildert Enrico Ukrow, Geschäftsführer der Kliniken Beelitz, seinen persönlichen Auslöser. „Daraufhin haben wir in unseren Kliniken geschaut, wie stark unser Personal von Übergriffen betroffen ist, welcher Art diese sind und ob wir eine Zunahme oder Veränderung in der Ausprägung feststellen können. Dabei kam heraus, dass wir rund sechs entsprechende Übergriffe pro Monat verzeichnen, welche nicht zwangsläufig krankheits- oder medikamentenbedingt sind – wobei es für Betroffene physisch und psychisch keinen großen Unterschied macht, ob es eine bewusste oder unbewusste Handlung ist.“

Das erarbeitete Gewaltschutzkonzept hilft dabei allen Mitarbeitenden in unterschiedlichen Dimensionen, angefangen von der Implementierung der Gewaltprävention in der Organisationskultur, über Sensibilisierungen für leitendes Personal, bis hin zu Trainings, um sich verbal und körperlich gegen Übergriffe zur Wehr setzen zu können bzw. Situationen frühzeitig erkennen zu können. Hinzu kommen Alarmierungssysteme, um im Ernstfall schnelle Hilfe zu erhalten. Eine enge Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden sowie der Polizei ist dabei selbstverständlich.

Neben der Durchführung von Trainings zu körperlichen Interventionen, bieten die Kliniken Beelitz künftig auch verbale Deeskalationstrainings an. Beides stärkt das Sicherheitsgefühl und die Handlungsfähigkeit der Mitarbeitenden innerhalb und außerhalb des Klinikalltags. Die körperlichen Trainings vermitteln Strategien und Techniken, um sich vor einem Übergriff schützen zu können, aber auch Distanz zu schaffen, sich zu befreien sowie eine angreifende Person zu fixieren. Die Trainings selbst werden dabei von einem professionellen und zertifizierten Selbstverteidigungsexperten auch direkt auf den Stationen durchgeführt.

„Grundsätzlich ist unser Gewaltschutzkonzept umfassend und mehrdimensional angelegt, um allen Mitarbeitenden die situationsbedingt passende Hilfe und Nachsorge zuteilwerden zu lassen, sie abzusichern, zu stärken sowie konsequent und rechtssicher handeln zu können. Zur Nachsorge stehen sowohl unser Notfallseelsorger und unsere klinikinterne Vertrauensperson auch als Erstbetreuer zur Verfügung,“ umreißt Enrico Ukrow den Gewaltschutzansatz der Kliniken Beelitz. „Typische Übergriffe gegenüber unserem Personal sind mehrheitlich schlagen, kratzen, beißen oder sexuelle Anzüglichkeiten. Aber Gewalt ist in viele Richtungen möglich, wobei es uns als Arbeitgeber primär darum geht, unsere Belegschaft zu schützen sowie die physische und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern.“

Bei dem Begriff „Gewalt“ denken die meisten sicherlich zunächst an körperliche Übergriffe. Grundsätzlich wird „Gewalt“ als eine schädigende Einwirkung auf Andere verstanden. Dies kann psychische oder physische, statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte Formen annehmen. Der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische Gewalt, z. B. in Form von verbaler Gewalt, Deprivation und emotionaler Vernachlässigung. Auch rassistische und sexualisierte Äußerungen und Übergriffe fallen unter den Gewaltaspekt. Insgesamt reicht das Spektrum von abwertenden Äußerungen in der realen und der virtuellen Welt bis hin zu handfesten Drohungen und sexualisierten Aussagen.

Gewalt gegenüber Beschäftigen im Gesundheitswesen ist leider seit ein paar Jahren zunehmendes Thema. Übergriffe auf Rettungssanitäter sind mittlerweile genauso Alltag, wie Übergriffe auf Ärzt:innen, Pfleger:innen, Therapeut:innen oder Servicekräfte in Kliniken. Nicht erst seit diversen Vorfällen in Notaufnahmen in Berlin und bundesweit schulen und trainieren Kliniken ihr Personal. Da mehrheitlich Frauen in Service,- Pflege- und Therapieberufen tätig sind, ist die Gewalt gegen Klinikbeschäftigte überwiegend Gewalt gegen Frauen.


 Über die Kliniken Beelitz

Die Kliniken Beelitz als Teil des Recura Kliniken Verbunds sind seit 1996 am traditionsreichen Gesundheitsstandort Beelitz-Heilstätten etabliert. Die Kliniken Beelitz sind mit über 250 offiziell ausgewiesenen neurologischen Krankenhausbetten die größte Akutneurologie Ostdeutschlands. Die Kliniken Beelitz bieten hochspezialisierte Angebote für neurologische Frührehabilitation der Phase B und neurologische Rehabilitation der Phasen C und D, letztere mit weiteren ca. 100 Betten. Die Kliniken betreiben auch das größte deutsche Parkinsonzentrum, eines der bedeutendsten und renommiertesten Zentren für dieses Krankheitsbild in Deutschland. Die Kliniken Beelitz sind seit 2025 ein Akademische Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Brandenburg – Theodor Fontane und Gewinner des Brandenburgischen Ausbildungspreises 2025.


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